Haushalthife

Ein plötzlicher Schub, eine Hüftoperation oder gar eine Wirbelsäulenkorrektur – für Rheumatiker ist ein Krankenhausaufenthalt manchmal unausweichlich. Doch wie sichern wir die Betreuung von Kindern und Haushalt während unserer Abwesenheit?

Ganz besonders brauchen wir eine Hilfe (welcher Art auch immer), wenn wir in stationärer Behandlung sind, während in unserem Haushalt Personen leben, die auf unsere Hilfe angewiesen sind. Das können Kinder sein, aber auch andere hilfebedürftige Personen. Das Gesetz hat die Zuständigkeit der verschiedenen Kassen wie folgt geregelt. Leben im Haushalt Kinder unter 12 Jahren (die also eine besondere Betreuung erfordern) oder Kinder mit einer Behinderung ohne Altersbeschränkung oder auch ältere pflegebedürftige Personen, so greifen unterschiedliche Institutionen. Je nach Situation können das Krankenversicherung, Rentenversicherung oder auch Pflegeversicherung sein.

Bei ambulanter Krankenbehandlung – also ein Aufenthalt in den eigenen vier Wänden -besteht grundsätzlich kein Leistungsanspruch. Die jeweilige Krankenkasse kann in ihrer Satzung vorsehen, dass – über den gesetzlichen Anspruch hinaus – in weiteren Fällen nach ärztlichem Zeugnis bzw. Attest eine Haushaltshilfe gewährt wird, wie beispielsweise bei einer Erkrankung ohne Krankenhausaufenthalt oder nach ambulanten Operationen. Dies ist allerdings keine Regelleistung und wird von Kasse zu Kasse unterschiedlich gehandhabt. Es empfiehlt sich, grundsätzlich einmal bei der eigenen Krankenkasse nachzufragen, was die jeweilige Satzung in einem derartigen Fall vorsieht. In den wenigsten Fällen ist übrigens eine derartige Auskunft öffentlich im Internet zugängig.

Achtung: Gesetzliche Regelungen gemäß Sozialgesetzbuch (SGB), Fünftes Buch, gelten ausschließlich für gesetzliche Versicherungen. Private Krankenkassen und private Rentenversicherungsträger sind nicht an die Gesetzesvorlagen für gesetzliche Krankenkassen gebunden. Eine genaue Prüfung der Leistungen ist daher unbedingt vor Vertragsabschluss dringend erforderlich!

Aufgaben einer Haushaltshilfe

Eine Haushaltshilfe übernimmt verschiedenste Aufgaben, die zum Führen eines Haushalts gehören, wie beispielsweise Kinderbetreuung, Essenszubereitung, Wohnungsreinigung, und Kleiderpflege. Sie ist nicht zu verwechseln mit einer Pflegeperson gemäß Pflegeversicherung (s.u.).

Haushaltshilfe der gesetzlichen Kranken- und Rentenversicherungen

Ist die haushaltsführende Person in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert und geht es um Kinder, so greift die Haushaltshilfe. Sie ist in Deutschland eine Sozialleistung der gesetzlichen Kranken- oder Rentenversicherung. Zuständig für die Zahlung ist also die für den Versicherten zuständige Krankenkasse. Lebt der Betroffene in Gemeinschaft mit einem Partner, der am Wochenende den Haushalt führen kann, ist eine Kostenübernahme am Wochenende ausgeschlossen (weitere Informationen siehe unten).

Ist die haushaltführende Person Rentenempfänger, so wird unter den selben Voraussetzungen wie in der Krankenversicherung eine Haushaltshilfe in der gesetzlichen Rentenversicherung gewährt, wenn wegen der Teilnahme an einer Maßnahme zur Rehabilitation eine Unterbringung außerhalb des eigenen Haushalts erfolgt.

Sozialgesetzbuch (SGB), Fünftes Buch (V), Gesetzliche Krankenversicherung

Im Sozialgesetzbuch befasst sich ein ganzer Paragraph (§ 38) mit der Verpflichtung gesetzlicher Krankenkassen zur Erstattung von Kosten für Haushaltshilfen im Krankheitsfall des Versicherten. Der genaue Wortlaut ist wie folgt – wir haben uns erlaubt, den einzelnen Punkten Erklärungen beizufügen:

§ 38 Haushaltshilfe

(1) Versicherte erhalten Haushaltshilfe, wenn ihnen wegen Krankenhausbehandlung oder wegen einer Leistung nach § 23 Abs. 2 oder 4, §§ 24, 37, 40 oder § 41 die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist. Voraussetzung ist ferner, dass im Haushalt ein Kind lebt, das bei Beginn der Haushaltshilfe das zwölfte Lebensjahr noch nicht vollendet hat oder das behindert und auf Hilfe angewiesen ist.
Übersetzt heißt das: Der sonst haushaltführende Teil wird durch stationäre Behandlung in einer Kur-, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung (einschließlich Einrichtungen des Müttergenesungswerkes) oder durch die Notwendigkeit einer häuslichen Krankenpflege (statt einer sonst notwendigen Krankenhausbehandlung) davon abgehalten, selbst den Haushalt zu führen. Hierbei geht es vorrangig um die Betreuung hilfebedürftiger Kinder, d.h. Kinder unter 12 Jahren bzw. behinderter Kinder ohne Altersbeschränkung.

Übrigens: Nicht nur, wenn es um die stationäre Behandlung von Mutter oder Vater geht, wird eine Haushaltshilfe bezahlt. Fällt die haushaltsführende Person weg, weil sie mit einem kranken Kind (auf Anraten des Krankenhausarztes) im Krankenhaus ist und lebt im Haushalt ein weiteres betreuungsbedürftiges Kind (unter 12 Jahren), so muss die Krankenkasse ebenfalls eine Haushaltshilfe finanzieren.

Anstelle einer Haushaltshilfe kann im Falle einer Rehabilitationsmaßnahme durchaus auch die Mitnahme des Kindes bzw. der Kinder an den Rehabilitationsort in Betracht kommen.

(2) Die Satzung kann bestimmen, dass die Krankenkasse in anderen als den in Absatz 1 genannten Fällen Haushaltshilfe erbringt, wenn Versicherten wegen Krankheit die Weiterführung des Haushalts nicht möglich ist. Sie kann dabei von Absatz 1 Satz 2 abweichen sowie Umfang und Dauer der Leistung bestimmen.

Übersetzt heißt das (wie schon oben erwähnt): Die Krankenkasse kann selbstverständlich Leistungen erbringen, die über die gesetzliche Regelleistung hinausgeht. Sie kann also beispielsweise eine Haushaltshilfe auch bewilligen, wenn die Voraussetzung „Kind“ nicht gegeben ist oder eine höhere Altersgrenze (z. B. auf 14 Jahre, also im Sinne des Versicherten) festlegen. Wie lang eine Haushaltshilfe gewährt wird, wird ebenfalls über die Satzung der Kassen festgelegt. Die Dauer bestimmt sich nach der Dauer der verursachenden Leistung (z. B. Dauer des Aufenthalts im Krankenhaus).

(3) Der Anspruch auf Haushaltshilfe besteht nur, soweit eine im Haushalt lebende Person den Haushalt nicht weiterführen kann.

Übersetzt heißt das: Ist der Ehepartner wegen Arbeitslosigkeit oder aus anderen Gründen zuhause, oder leben noch andere Personen (z. B. Großeltern der Kinder) im Haushalt, so sind diese verpflichtet, die Haushaltsführung zu übernehmen. Ein Anspruch auf Haushaltshilfe besteht dann nicht. - Eine Großmutter, die auswärts wohnt und somit nicht zum Haushalt gehört, zählt natürlich nicht!

(4) Kann die Krankenkasse keine Haushaltshilfe stellen oder besteht Grund, davon abzusehen, sind den Versicherten die Kosten für eine selbstbeschaffte Haushaltshilfe in angemessener Höhe zu erstatten. Für Verwandte und Verschwägerte bis zum zweiten Grad werden keine Kosten erstattet; die Krankenkasse kann jedoch die erforderlichen Fahrkosten und den Verdienstausfall erstatten, wenn die Erstattung in einem angemessenen Verhältnis zu den sonst für eine Ersatzkraft entstehenden Kosten steht.

Übersetzt heißt das: Die Krankenkasse kann selbst eine Haushaltshilfe stellen. Wenn sie das nicht tut, kann der Versicherte sich selbst um eine Haushaltshilfe bemühen. Die „angemessenen“ Kosten müssen von der Krankenkasse getragen werden. Als „angemessen“ gelten (2007) 7,75 Euro / Stunde bzw. 62 Euro / Tag. Haushaltshilfen können Mitarbeiter von Sozialstationen oder ähnlichen sozialen Einrichtungen sein, aber auch Privatpersonen (z. B. Nachbarn).

Verwandte und Verschwägerte bis zum zweiten Grad können laut Gesetz nicht mit einer Bezahlung für ihre Unterstützung rechnen. Es obliegt den Krankenkassen, in ihren Satzungen darüber hinaus gehende Regelungen vorzusehen.

Übrigens: Trotzdem ist nachweislich die häufigste Art der Haushaltshilfe die Betreuung durch den berufstätigen Ehepartner. Nimmt der berufstätige Partner unbezahlten Urlaub, um die Kinder in Abwesenheit des anderen Elternteils zu betreuen, unterbricht also ein Ehepartner seine Beschäftigung vorübergehend, so haben viele gesetzlichen Krankenkassen in ihren Satzungen die Zahlung eines Verdienstausfalls vorgesehen. Dieser kann je nach Kasse stark variieren zwischen Höchstbetrag für eine gestellte Kraft (s.o. 64 Euro / Tag) bis hin zum vollen Verdienstausfall.

Diese Zahlungen sind gewöhnlich auf maximal 2 Monate begrenzt. Nach diesem Zeitraum geht man davon aus, dass der „einspringende Partner“ nicht mehr als Haushaltshilfe zählt, sondern den Haushalt übernommen hat. Es empfiehlt sich, vorher bei der Krankenkasse nachzufragen!

(5) Versicherte, die das 18. Lebensjahr vollendet haben, leisten als Zuzahlung je Kalendertag der Leistungsinanspruchnahme den sich nach § 61 Satz 1 ergebenden Betrag an die Krankenkasse.

Übersetzt heißt das: Versicherte müssen für die Haushaltshilfe eine Zuzahlung von 10 % über den Gesamtzeitraum zahlen, das sind mindestens 5 Euro, höchstens 10 Euro pro Tag.

Übrigens: Auch, wenn der Haushalt wegen Schwangerschaft (und verordneter Bettruhe) oder Entbindung nicht weitergeführt werden kann, besteht - gemäß § 199 RVO / Reichsversicherungsordnung - Anspruch auf eine Haushaltshilfe. Eine Zuzahlung entfällt hier.

Verhinderungspflege der Pflegekassen - Sonderfall: Krankheit von Pflegepersonen

Gerechtfertigt ist sicherlich auch die Frage nach der Betreuung anderer Im Haushalt lebender Personen, die weder unter 12 Jahren alt sind noch Kinder der Versicherten Person sind. Beispiel: der pflegebedürftige behinderte Ehepartner lebt im gleichen Haushalt, ist auf Hilfe angewiesen, und der oder die Versicherte können diese Betreuung vorübergehend nicht mehr selbst sicherstellen. Hier greift die Pflegeversicherung – nicht die Krankenversicherung!

In diesem Falle geht es weniger um eine Haushaltshilfe im engeren Sinne, als vielmehr um eine Ersatz-Pflegeperson. Daher steht der pflegerische Aufwand (Körperpflege, Ernährung, Mobilität) gegenüber den hauswirtschaftlichen Tätigkeiten (Hausarbeiten, Besorgungen, Kochen) im Vordergrund.

Ist man selbst laut Pflegeversicherung Pflegeperson einer nach Pflegestufe eingestuften pflegebedürftigen Person, so greift die sogenannte „Verhinderungspflege“ der Pflegekassen. D. h. bei Verhinderung der häuslichen Pflegeperson z. B. durch Krankenhausaufenthalt übernimmt die Pflegekasse 1mal jährlich für höchstens 4 Wochen die Kosten für eine Ersatzpflegekraft bis zu 1.612 Euro. Leistet in Abwesenheit der Pflegeperson eine nicht erwerbsmäßig tätige Person (andere Verwandte z. B.) die Pflege, so beschränkt sich die Leistung grundsätzlich auf den Betrag des Pflegegeldes der festgelegten Pflegestufe, d.h.:

•    Pflegestufe 0 (Demenz),
Pflege durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn: 123 Euro / Monat
Pflege durch professionelle Pflegekräfte: 231 Euro / Monat

•    Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige),
Pflege durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn: 244 Euro / Monat, (mit Demenz 316 EUR,)
Pflege durch professionelle Pflegekräfte: 463 Euro / Monat (mit Demenz 689 EUR,)

•    Pflegestufe II (Schwerstpflegebedürftige),
Pflege durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn: 458 Euro / Monat, (mit Demenz 545 EUR,)
Pflege durch professionelle Pflegekräfte: 1.144 Euro / Monat (mit Demenz 1298 EUR,)

•    Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige),
Pflege durch Angehörige, Freunde oder Nachbarn: 728 Euro / Monat, (mit Demenz 728 EUR,)
Pflege durch professionelle Pflegekräfte: 1.612 Euro / Monat(mit Demenz 1612 EUR,)
in besonderen Härtefällen bis zu 1.995 Euro / Monat

http://www.dmrz.de/pflege-neuausrichtungs-gesetz-psg-pflegegeld-pflegesachleistung-2015-2017.html

Fazit

Für all jene, die weder Kinder noch andere hilfebedürftige Personen im Haushalt zu betreuen haben, sieht das Gesetz keine Kostenübernahme für eine Haushaltshilfe durch die gesetzlichen Krankenkassen vor. Einige Krankenkassen sehen in ihren Satzungen Mehrleistungen vor. Die einen stellen eine Haushaltshilfe auch bei ambulanter Behandlung zur Verfügung, andere gar, wenn kein Kind im Haushalt lebt. Solche zusätzlichen Leistungen sind aber in der Regel beschränkt auf „akute“ Fälle.

In jedem Fall empfiehlt es sich, vor Krankenhausaufenthalt, Kur oder Reha-Maßnahme dringendst, mit der zuständigen Krankenkasse Kontakt aufzunehmen und einen Antrag auf Kostenübernahme für eine Haushaltshilfe zu stellen. Eine nachträgliche Kostenübernahme ohne vorigen Antrag wird für gewöhnlich von Seiten der Krankenkassen abgelehnt.

Haben Sie eigene Erfahrungen zu diesem Thema gemacht?
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